we heard ian curtis kill himself again in your bed - "control"

letzte woche nach langem warten endlich "control" gesehen. der film des niederländischen band-fotografen und -filmers anton corbijn ist ein kleines meisterwerk unter den ja gerade angesagten musiker-biopics geworden.

in kühlen, beinahe sterilen schwarz-weiß-bildern wird anfangs das graue alltagsleben von ian curtis (sam riley) und später auch das seiner frau deborah (samantha morton) im noch graueren macclesfield bei manchester gezeigt. dass diese junge ehe zum scheitern verurteilt war, lässt der film früh erkennen. curtis ist gefangen von der enge im kleinen heim mit kind, in seinem job, dem arbeiterkaff macclesfield.

doch obwohl der film grundsätzlich natürlich eine bedrückende stimmung erzeugt, ist nicht alles nur düster. gerade zu anfang des films weiß curtis mit seinem freund nick, seinen ersten drogenexperimenten und vor allem mit seiner schon früh schrägen art für lacher zu sorgen. später sorgt vor allem bandmanager rob gretton (toby kebbel) für diese. großartig gewähltes dekor, tolle kostüme und ein schöner soundtrack tragen ihr übriges dazu bei.

der ersehnte ausbruch für curtis kommt mit der gründung der band warsaw, später die großen joy division. ian glänzt als songwriter, sänger und performer und scheint seinem leben endlich einen sinn geben zu wissen. doch mit dem schnellen erfolg kommen auch die zweifel: an der ehe, an der richtigkeit seiner entscheidungen, an sich selbst.

all dies weiß newcomer sam riley als die ikone ian curtis phänomenal einzufangen. in absolut eindringlicher darstellung zeigt er den jungen, durchgeknallten und verträumten schüler curtis, der seine spätere frau deborah in seinen bann zieht. die gleiche faszination ist es wahrscheinlich auch gewesen, die er als charismatischer sänger und frontmann auf sein publikum ausübte.

doch auch die wandlung zum zwiegespaltenen, von zweifeln geplagten jungen mann, der sein leben und das seiner familie bei vollkommenem bewusstsein selbst zerstörte, ohne etwas dagegen tun zu können, überzeugt auf ganzer linie durch die leistung rileys. die falschen entscheidungen, seine frau zu betrügen und nicht für seine familie da zu sein trafen möglicherweise niemanden härter als ihn selbst. und gerade das ist es, was diese figur ian curtis so faszinierend machte - selbst für den kinozuschauer, der nur eine interpretation dieser zu sehen bekommt.

dass die nebenfiguren wie die band und das umfeld dabei manchmal etwas zu kurz kommen und bisweilen unfreiwillig komisch wirken, ist dementsprechend halb so wild. der film ist schließlich keine band-dokumentation über joy division, sondern ein biopic über das tragische leben des ian curtis. und das gelingt dem film ausgezeichnet - nicht zuletzt durch corbijns stilsichere und grobkörnige schwarz-weiß-bilder.

"control"
regie: anton corbijn
darsteller: samantha morton, sam riley, alexandra maria lara, herbert grönemeyer
becker films, 10.01.2008



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