pop-probleme vol. XII: das ende

independent pop-kultur hat per se vor allem ein problem: sie ist independent. independent sein ist - am beispiel einer rockband - zunächst erst mal eine ideologische entscheidung: will ich unabhängig und frei sein oder unterwerfe ich mich der großen maschinerie der kommerziellen musikindustrie?

diese entscheidung hat anschließend aber auch einen zunehmenden einfluss auf meine praktische arbeit: mache ich mein eigenes ding oder gehe ich zum majorlabel und lasse mir in meine kunst reinreden?

schlussendlich hat diese entscheidung aber eine solche reichweite, dass sie über schicksale von existenzen richten kann: kann ich von meiner band leben oder gehe ich ungehört unter? denn wer nicht erfolgreich ist, der macht irgendwann schlapp. der erfolg muss nicht einmal wirtschaftlicher natur sein, aber wer sich mit seiner band "wir machen die musik nur für uns selbst, als ventil" oder dergleichen einredet, der ist entweder ein egozentrischer frontmann, den seine kollegen am liebsten erwürgen würden, oder einfach ein vollidiot. eine band macht musik, weil sie menschen erreichen will. punkt.

wer ankommen will und das glück hat, entdeckt zu werden, der unterschreibt am ende doch den knebelvertrag beim major. nur hat es sich damit mit der indie-sache auch erledigt. überspitzt dargestellt geht nur eins von beidem: entweder indie, oder erfolg.

wer nicht ankommt, der gibt auf - oder wird abgesetzt. dieses problem betrifft natürlich nicht nur bands, sondern jedwedes phänomen von subkultur, abgrenzung und anders-sein-wollens. das fängt schon in der schule an, wo intelligente junge männer mit etwas nerdigem verhalten und masseninkompatiblem geschmack keinen schlag bei frauen haben. das gilt weiterhin für bands, aber auch für ganze plattenlabels, für fernsehsendungen, kurz: bei jeglicher form von massenorientierter, rezipientengebundener kommunikation.

der größte und zugleich tragischste fall dieses phänomens in der jüngeren deutschen geschichte ist selbstverständlich viva zwei. nach nur sieben jahren und acht millionen d-mark schulden wurde am ersten januar 2002 der sender knallhart dichtgemacht und damit das konzept "musikfernsehen in deutschland" zu grabe getragen (einen schönen nachruf gibt es hier).

und so musste die indie-szene schon viele opfer in form von plattenladenschließungen, label-insolvenzen und band-auflösungen aufgrund mangelden erfolges betrauern - dieses jahr als eines der herzergreifendsten beispiele der abschied aereogrammes von der bühne des hurricane festivals.

zumindest auf dem sektor der medialen berichterstattung über (indie)popkultur gibt es - web 2.0 und user-generated content seid dank - keine sorgen. im gegenteil: die sorgen haben eher die etablierten printmedien angesichts der flut an online-magazinen, webseiten und blogs die ohne die finanziellen risiken eines größeren betriebs redaktionell wertvollen, multimedialen und vor allem aktuellen content liefern können - sofern sie denn wollen. ihr seht also: die lösung sind - wie immer - wir. kennst ja.

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