pop-probleme vol. XI: gehen die leute...

"... auf der straße eigentlich absichtlich so langsam?" popkultur ist ja nicht immer nur das, was wir von hier oben aus dem elfenbeinturm so betreiben. popkultur ist unter und vor allem anderen kulturindustrie, austauschbarkeit und massenproduktion. insbesondere letztere kriegt man gerade in der vorweihnachtszeit mit dem vorschlaghammer deutlich gemacht, z.b. wenn man mal zufällig durch die fußgängerzone muss.

selbst in einer kleineren großstadt wie jena ist die innenstadt häufig und auch außerhalb dieser jahreszeit fürchterlich überfüllt und ständig stolpert einem jemand vor der nase rum, rempelt einen an oder blockiert gerade einen ausgesprochen schmalen ein- und ausgang. ihr könnt euch sicher vorstellen, wie es momentan hier aussieht. "konsumieren konsumieren konsumieren" scheint das motto. selbst, wenn es nur um schokolade geht.

jeder muss (?) jemand anderen beschenken und erledigt das natürlich ausgerechnet, wenn man selbst nur mal eben zur bank, zur post oder sonstwohin muss. und wehe dem, der daselbst noch das eine oder andere weihnachtsgeschenk für die liebsten braucht. ich kann leider nicht von mir behaupten, ein sonderlich geduldiger mensch zu sein, rein vom biologischen her, sozusagen. daher machen mich auch nur kurze gänge durch überfüllte passagen regelmäßig wahnsinnig.

und sogar in diesem jahr, wo ich damit gesegnet bin, insgesamt nur ein einziges geschenk besorgen zu müssen, kann ich mich kaum noch in die innenstadt trauen. alles ist voll mit leuten, die kaufen und kaufen und einem vor allem den weg versperren. und was dort alles über den ladentisch geht. wenn man ganz ehrlich wäre, müssten doch die meisten menschen zugeben, dass sie eigentlich bereits alles besitzen, was sie brauchen. was soll man da noch verschenken?

dennoch wird konsumiert konsumiert konsumiert. weltraumkaffeemaschine, stereo-waffeleisen, zuckerwatteautomat. in der lokalen großbuchhandlung wartet man fünfundvierzig minuten, bis sein soeben gekauftes geschenk von den eigens angestellten verpackern liebevoll massenabgefertig wurde. omas und opas kaufen tonnenweise videospiele für die lieben kleinen, die die spiele wahrscheinlich noch gar nicht spielen dürfen. ihre großeltern hingegen wissen wahrscheinlich nicht, was sie da eigentlich kaufen. geparkte ehemänner stehen beladen mit einkaufstüten vor der drogerie, der modeboutique und dem tünnefladen während drinnen ihre frauen geschenke für die gesamte großfamilie besorgen.

kommt natürlich alles von herzen, versteht sich. schließlich sind sämtliche geschenke auch unter größtem weihnachtsstress zwischen arbeit, familie, einkauf, haushalt usw. noch mit viel zeit und vor allem liebe sorgfältig ausgesucht. und noch eines weiß ich jetzt schon: sollte man tatsächlich unter bestimmten umständen spontan und weit vor seiner zeit graue haare bekommen können, so wird das mir eines tages in der jenaer goethe galerie der falle sein. versprochen ist versprochen.

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