pop-probleme vol. VI: ausverkauf

mit leichter verspätung, kommt sie doch noch, unsere kleine, (hoffentlich irgendwann mal) allwöchentliche kolumne. irgendwie scheint bei uns gerade der post-semester-/prä-semesterstress einzusetzen, sodass mal wieder zeit für gar nix bleibt.

letzte woche (haha) ging es hier ja um den schlussverkauf - den verkauf des kulturguts musik auf dem grabbeltisch. was könnte da die logischere konsequenz sein, als sich diese woche mit vielleicht dem pop-problem nummer eins zu beschäftigen? natürlich: dem ausverkauf oder auch dem sogenannten "sell-out".

"wer 'ne unbekannte band hört, muss sie hassen, wenn sie trend wird," singt die ziemlich unsägliche, den ärzten nacheifernde band montreal in ihrem song "so lang die fahne weht". gar nicht so blöd für dümmlichen deutsch-punk, steckt doch da im kern viel wahrheit drin.

dümpeln montreal jedoch nach wie vor vollkommen zurecht im deutschen untergrund vor sich hin, so kann es ja fast schon nicht mehr wahr sein, wer sich in den usa (von den deutschen ärzten mal ganz abgesehen) derzeit alles großflächlich "punk" auf die oben besagte fahne pinselt. doch jener komplex soll hier nicht zur debatte stehen, dreht es sich doch dabei um die ausgesprochen dubiose authentizität von für eine bestimmte zielgruppe (hysterisch kreischende siebzehnjährige mit kajalstift) zurechtgemachten retorten-bands wie z.b. simple plan, fall out boy oder story of the year mit einem starken major im rücken, deren grundbedingung selbstverständlich der sell-out ist.

nein, hier geht es vielmehr darum: deine lieblingsband, die du als erster entdeckt hast und die du dann krampfhaft in jeder ausgabe deines handgeschriebenen, handkopierten und handgetackerten fanzines gepusht hast, unterschreibt plötzlich den großen majordeal. jetzt rotieren sie auf mtviva und jump und verdienen (vielleicht) den dicken schotter. du sitzt zu hause und beißt dir in den hintern. "ach die," antwortest du, wenn dich jemand auf sie anspricht. "die kannte ich schon, als sie noch cool waren."

und jetzt? jetzt willst du deine lieblingsband einfach nicht mehr? jetzt sag ich mal was: ich kenne das. ich kenne eine band, die hat mich in den letzten paar jahren vielleicht noch mehr begleitet als oasis und tocotronic. diese band heißt tomte und deren sänger thees uhlmann habe ich im vergangenen jahr das gleiche, also den sell-out jetzt, vorgeworfen, wahrscheinlich mehr als irgendjemandem sonst zuvor. weil mir die band am herzen liegt. und darum möchte ich diesen uhlmann hier mal zitieren:

"[...] Herzblut wird immer klappen. Wenn eine Stimme sich ernsthaft erhebt, merken das die Menschen, die ich gerne 'die Menschen da draussen' nenne, denn sie sind nicht so doof, wie viele denken. Die Leute sind vielleicht nicht 'schlauer', als man denkt, aber sie haben mehr emotionale Intelligenz. Sie können immer noch after all spüren, welches ihre Band ist. [...]" (intro 07/02)

eine lieblingsband, die sucht man sich nicht aus. man wird von der band ausgesucht. vielleicht für ein leben lang. das wurde mir klar, als tomte im letzten juni in unserer stadt spielten. ich war umgeben von den menschen, die ich liebe und vor mir auf der bühne spielte meine band, die ich liebe. die ich immer noch liebe, auch wenn das letzte album ein bis zwei füller enthält. auch wenn der uhlmann bei trl rumgeturnt ist. und man konnte sehen, wie fertig er war, der uhlmann, nach der ganzen scheiße.

in diesem augenblick spielte das alles keine rolle. ich erinnere mich daran, wie ich ihn vor knapp vier jahren bei der berlinova - wir standen angetrunken beim 11 freunde-turnier, als kettcar gerade gegen irgendwen verloren - gefragt habe, warum tomte nicht mitspielten. "weil ich immer noch keine krankenversicherung hab'," hat er geantwortet. aber in diesem augenblick letztes jahr im sommer, konnte ich sehen, dass es ihm trotz alledem endlich besser geht, dem uhlmann da oben auf der bühne.

in diesem augenblick stand ein freund neben mir und hat geweint vor glück. für sie. für mich. für uns. und für die band. weil wir after all immer noch spüren, welches unsere band ist.
seattle-felix - 2007/03/29 16:59

irgendwie bin ich ein bisschen vom thema abgekommen. aber das musste trotzdem mal gesagt werden.

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